Pandemie auf Papier No.1° Blankoseite

Januar, die Blankoseite eines jeden neuen Jahres. Ich fühle: diesem leeren Blatt Leben wohnt das verführerische Versprechen eines Neubeginns inne. Wie jeden Januar in den vergangen Jahren bin ich energiegeladen, trotz Pandemie, trotz Shutdown. Ich will etwas wagen, mich selbst erneuern, was Neues kennenlernen. Wo anfangen? Im Zweifelsfall mit Sport. Seit die Erbse in unser Leben geplumpst ist, leide ich unter dem Bewegungsmangel, den ein neues Küken mit sich bringt. Dabei habe ich so große Lust auf Bewegung: auf endlose Spaziergänge, ziellose Radtouren, auf Yoga, auf Workouts, auf’s Tanzen. Die Zeit dafür ist seit Dezember 2020 nicht mehr geworden, aber der Wille ist groß. Also streiche ich radikal, was zu streichen geht. Weniger saugen, was einfacheres kochen, den Badezimmerputz skippen. Stattdessen: aufs Pedal treten, Beine schwingen, Matte ausrollen, schwitzen und sich gut fühlen. Sich überhaupt fühlen.

Was Neues lernen? Über mich! In den vergangenen drei Wochen habe ich etwas Überraschendes erfahren dürfen: ich gebe eine ganz passable Lehrerin ab. Nicht die Beste, dafür fehlt mir ein groooßer Batzen Geduld, vom pädagogischen Hintergrundwissen ganz abgesehen. Aber auch nicht die schlechteste, denke ich. Homeschooling mit zwei Kindern läuft und ich merke: ich erkläre gerne und gebe noch lieber den Glauben an die eigenen Fähigkeiten weiter. Es gibt tausend Dinge in meinem Leben, die mir leichter fallen, als eine Erstklässlerin zu unterrichten, die noch kaum schulische Routine hat und parallel stets den Drittklässler im Auge zu behalten um an schorfigen Stellen auszuhelfen. Aber wenn ich genau darüber nachdenke, gibt es wenige Dinge, die ich lieber tue. Es ist kein Selbstläufer, holperte am Anfang ganz schön heftig, ist alles andere als easy. Aber es macht mir Spaß, meine beiden großen Kinder auf diesem Stück zu begleiten. Die Bürde wurde zur Chance.

Der Rest? Wie immer.

Ich liebe. Ich staune. Ich kitzele, ich lache. Ich kümmere mich, helfe, unterstütze. Ich wickele, ich wasche. Ich tröste. Ich bin da. Ich baue auf und ermutige. Ich stelle mich Herausforderungen. Ich wachse. Ich lese vor und zeige unterschiedlichste Lebenswelten. Ich ermögliche einen weiten Horizont. Ich rede viel, ich höre viel zu. Ich lehre und ich lerne. Ich erkläre Wortarten, übe Multiplikation. Ich lehre backen und das Binden von Schleifen. Ich entscheide darüber, was wir zu Abend essen, über die Anzahl der Stunden am Tablet, über Richtig oder Falsch. Ich bin sicher das Richtige zu tun, ich ziehe alles wieder in Zweifel. Ich spüre die Verantwortung. Trage sie an manchen Tagen mit Leichtigkeit, an anderen droht sie mich unter sich zu begraben. Ich kuschele. Ich höre mir viele Witze an und noch mehr Streits. Ich bin streng. Ich bin nachgiebig. Ich bin die Erwachsene und will es nicht immer sein. Ich rebelliere, ich akzeptiere. Ich will sein lassen und versuche in schwachen Momenten zu ändern. Ich bewahre Geduld und verliere sie. Ich entschuldige mich, ich vergebe.

Bin Anker und Ertrinkende.

Ich bin Mutter.

Schreibst Du mir? Wie schön, ich freu mich!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.