Corona-Tagebuch oder ein Osterwochenende in 12 Bildern

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Ostersamstag, 11. April

Stille. Das Haus liegt da in völliger Stille. Draußen dämmert der Tag, drinnen liege ich auf dem Sofa und schaue mir die ZDF-Verfilmung von Unterleuten an. Es ist 5.30 Uhr, die Nacht für mich mal wieder viel zu früh zu Ende, ich weiß einfach nicht warum ich so schlecht schlafe in letzter Zeit. Ich bin froh, dass ich mich heute entschieden habe, ins Wohnzimmer runter zu gehen, anstatt die Laken zu wälzen. Die Ruhe tut gut, der Film gefällt mir bisher genauso gut wie das Buch, ich genieße, ganz für mich allein zu sein.

Gegen acht trudeln nach und nach Kinder, Papa und Baby ein und der Betrieb geht aus dem Stand mit Volldampf los. Mann und Mini machen sich auf den Weg zum Supermarkt, wir anderen bereiten das Frühstück vor. Mit Ruhe und Gemütlichkeit ist es erstmal aus. Ich trotze dem neuen Tempo mit einem dampfend heißen Kaffee und werfe einen Blick aus dem Küchenfenster. Ich liebe diese besonderen Tage im Jahr, wenn der Magnolienstrauch vor dem Haus in voller Blüte steht.

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Der Mann und ich sind an diesem Morgen in Streitlaune, beide übernächtigt, beide überfordert. Wir bräsen beide immer wieder vor uns hin, rasseln Mal um Mal aneinander. Das macht uns beiden keinen Spaß, wir reißen uns zusammen, sprechen uns aus, nehmen uns verständnisvoll in den Arm und beschließen eine kleine räumliche Trennung. Der Mann geht mit der Mini spazieren, ich mache klar Schiff und bereite alles für den heutigen großen Ausflug vor: wir wollen den Tag im großen Schrebergarten von Oma und Opa verbringen. Zwischendurch überreden mich die Kinder zu einer schnellen Runde Affenalarm bevor sie sich wieder in den Garten verziehen.

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Übrigens hat der Maxi vor wenigen Wochen angefangen, sich Bücher zu schnappen und alleine zu lesen. Dieser Anblick ist herrlich für den Mann und mich, aber immer noch etwas ungewohnt. Wir freuen uns beide wie verrückt, dass er unsere große Begeisterung für Bücher geerbt hat.

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Dann werden wir via DHL-Boten mit einem Herzenspaket von meiner Schwester überrascht. Zusammen mit drei ganz niedlichen Grußkärtchen voller lieber Worte von der dreifachen Patentante schickt sie den Kindern eine Entdecker-Box mit Insektenglas, Lupe, Kompass und Co., einen großen Experimentierkasten und ein niedliches Möhrchen-Holzspielzeug für die Mini. Die knabbert an den Karotten herum, während sich die Großen wie Bolle freuen und im Garten gleich ein paar Käfer fangen.

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Der Mann bereitet noch schnell den Stockbrotteig vor und wir fahren los und machen es uns im Garten gemütlich. In den letzten Jahren hat es sich zu einer kleinen Familientraditionen etabliert, dass wir am Ostersamstag mit Freunden zum Osterfeuer gehen und schnacken, während die Kids miteinander spielen. Da Corona sich dem dieses Jahr in den Weg stellt, haben wir beschlossen, unser eigenes Osterfeuer zu machen, leider ohne unsere Freunde, aber das muss dieses Mal reichen. Als Überraschungsgäste kommen „Omi“ und „Opi“ kurz vorbei, übergeben kontaktlos ihre Geschenke und setzen sich in sicherer Entfernung ein wenig zu uns. Meine Mama hat traditionellen Mohnzopf gemacht und den Käsekuchen aus meiner Kindheit und überhaupt ist es sehr schön, die beiden endlich mal wiederzusehen ohne in einen Screen gucken zu müssen.

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Der Maxi freut sich über sein Lego-Star-Wars-Set, für ihn gibt es derzeit NICHTS anderes. Die Midi ist überglücklich mit ihrer neuen Königinnentracht und schreitet durch den Schrebergarten als wäre es ihr Reich. Als meine Eltern wieder gehen, zünden wir das Feuer an und grillen uns Stockbrot und Würstchen, während die Mini im Tragetuch schlummert. Gutes Timing, meine Kleine!

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Bevor wir gehen, nehmen wir noch dicke Büschel Sauerampfer und Liebstöckel mit, damit improvisieren wir morgen die Spezial-Sauerampfersuppe nach Rezept meines Vaters. Sie wird mit hartgekochten Eiern gegessen, schmeckt uns megalecker und passt perfekt zu Ostern.

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Wir kommen zeitgleich mit Opa zuhause an, lustiger Zufall. Er ist ein Schatz und bringt uns mit dem Rad seinen Fahrradanhänger, mit dem er seit Jahren unsere lauffaulen Kinder durch die Gegend kutschiert, wenn sie bei ihm und Oma sind. Bei der derzeitigen Lage braucht er ihn nicht, wir dagegen können ihn aktuell mehr als gut gebrauchen. Wir stehen fast täglich vor dem Dilemma, dass der Maxi nicht genug vom Radfahren bekommen kann und lange Touren machen möchte, wir uns über seine große Bewegungslust (die ihn sehr ausgleicht in dieser für ihn schweren Zeit) freuen und selber auch sehr auf lange Radfahrten stehen, die Midi uns aber einen dicken Strich durch die Rechnung macht, weil ihr das mit knapp sechs noch schnell zu viel wird. Der Anhänger soll es richten und die kleine Königin befördern, während wir drei uns so richtig auspowern können.

Die Männer montieren das Ding und direkt im Anschluss ist in den Augen der Kinder eine erste Probefahrt un-er-läss-lich. Ich gieße derweil im Garten, lichte den vom Winter in Mitleidenschaft gezogenen Bambus aus, räume drinnen noch auf und dann bringt der Mann die Mini und ich die großen Herzchen in ihre Betten. Wir schaffen auch nicht viel länger, spielen noch schnell Osterhase im Garten, verstecken die Süßigkeiten und folgen den Kleinen bald ins Bett.

 

Ostersonntag, 12. April

Im Leben mit zwei Kindern und einem Baby gibt es grundsätzlich zwei Sorten von Tagen: die, an denen es sich auszahlt, sie in größerer Zahl gemacht zu haben, weil sie miteinander spielen, sich gegenseitig helfen und wir als Eltern ein bis zwei Gänge rausnehmen können. Es gibt aber auch die Tage, an denen sich Gefühle, die begleitet werden, Spielzeuge, die aufgeräumt und Streite, die geschlichtet werden müssen um ein Vielfaches potenzieren. Der heutige Tag liebäugelt stark mit der letzteren Variante. Wie jeder Feiertag im Hause HAMMA.

Die besondere Stimmung, die kleinen Traditionen und nicht zu vergessen die Aussicht auf Geschenke, versetzt Nerven und Schlaf der Kinder in Schwingung und das macht sich im Laufe des Feiertages bemerkbar. Der Sache nicht zugute kommt, dass ich gestern noch bis in die Puppen geschrieben und heute den Tiefpunkt der Müdigkeit erreicht habe. Aber von vorne.

Am Morgen kommen die beiden Großen aufgeregt zu uns und der Mini ins Bett gehüpft und wir kuscheln und quatschen. Nicht für lange, denn es zieht sie in den Garten, wo sie die versteckten Naschereien vermuten. Wir ziehen uns also alle an und ab nach draußen. Beim Osterfrühstück titschen wir jedes Jahr unsere Ostereier gegeneinander und schauen wer gewinnt, es fühlt sich seltsam an, das dieses Jahr ohne den Rest der Familie zu tun, aber wir machen das Beste daraus. Nach dem Essen bekommen die Kinder unsere Ostergeschenke und sind damit erstmal gut beschäftigt.

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Derweil bekomme ich einen kleinen nervösen Ausraster, als ich den völlig chaotischen Bauernschrank öffne und fange wutentbrannt an, ihn endlich auszumisten. Die anderen lassen sich davon nicht stören, der Maxi baut in Seelenruhe sein neues Lego Raumschiff zusammen und der Mann probiert mit der Midi ihre neue Schleimwerkstatt aus. Sie rühren diverse Substanzen zusammen, die Midi ist in heller Aufregung und der Chemieingenieur in meinem Mann wiegt sich schon freudig in Sicherheit, eine würdige Nachfolgerin für sich gefunden zu haben. Das ist schon wieder so niedlich, dass sich meine Eierstöcke ein wenig zusammenziehen.

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Nachdem ich mit dem Schrank zufrieden bin, mache ich einen Spaziergang mit der Mini, sie schläft und ich höre mein Hörbuch Mariannengraben. Als ich wiederkomme, ist es schon fast Zeit für das Mittagessen. Nach einem Kaffee koche ich Spargel und Hollandaise, während der Mann am neuen Hochbett der Midi weiterschraubt und die Kinder vor sich hin wuseln.

Nach dem Essen rutscht die allgemeine Stimmung bei Mutter und Kindern in den Keller, darum ziehe ich mich zum Schreiben zurück und der Mann experimentiert mit den Kindern und ihrem neuen Experimentierkasten. Später machen wir noch eine lange Radtour, ich komme mit Kopfschmerzen aus der Hölle wieder und lege mich hin, während der Rest zum 146sten Mal den neuen Shaun das Schaf-Film guckt. Wie lassen den Tag heute ruhig ausklingen. Und hoffen auf eine große Mütze Schlaf und mehr Energie für morgen.

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Dieser Beitrag ist verlinkt mit Draußen nur Kännchen und Große Köpfe.

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