Corona-Tagebuch oder eine kleine Schreibübung

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Bonjour!

Mir fehlt das Schreiben so sehr, aber egal wie ich es anfange, für meine Text- und Themenideen fehlt mir derzeit immer noch ruhige Zeit, in der ich einen klaren Kopf und Muße für lange Gedankengänge habe. Die einzige Möglichkeit zum Schreiben habe ich am Abend und da bin ich froh, wenn ich es schaffe, nach den langen Tagen mit drei Kindern meine restlichen fünf Hirnzellen zusammenzukratzen und dazu zu nutzen die Netflix-Taste auf der Fernbedienung zu finden.

Aber die Finger jucken und das Herz brennt, also habe ich mir einen Kompromiss überlegt, um den Durst nach kreativer Tätigkeit zumindest an der Basis zu stillen. Bis der Zeitpunkt kommt, an dem mein Kopf wieder aus diesem Wattebauschzustand rausfindet und ich mich meinen Themen widmen kann, werde ich einfach in loser Reihenfolge Tagebuch schreiben. Das ist wahrscheinlich nur wenig interessant für euch, sorry dafür. Ich bin auch nicht böse, wenn ihr nicht mitlest. Aber ich probiere das jetzt aus, um Kopf und Finger wieder in Schwung zu bringen. Langsam aber sicher wieder rauf auf’s Pferd – sozusagen.

 

Montag, 30. März

Ein richtig guter Tag. Keine Ahnung, wie das passieren konnte, denn der Sonntag war launentechnisch eine echte Vollkatastrophe – bei uns allen fünf. Aber dieser Montag war einfach nur gut. Als hätten wir alle kleine Glücklichmacher-Pillen ins Müsli und die Prémilch geschmuggelt bekommen.

Einen Tag zuvor noch in eine unauflösbar scheinende geschwisterliche Blutfehde verwickelt, spielen die beiden Großen in liebevoller Eintracht den Tag DURCH. Sie verwandeln eins der Kinderzimmer in eine Kreativfabrik und gehen mit ihren Bügelperlenbildern in Serienproduktion. Das Bügeleisen raucht, ich komme kaum mit dem heißen Eisen hinterher. Liebevoll gelebte Geschwisterbeziehung und kreative Auslastung – check!

Als die Homeschooling-Wolke über uns schwebt, fängt der Maxi als Schulprojekt ein eigenes Tagebuch für die Corona-Zeit an, in dem er nicht nur schriftlich und bildlich seine Erlebnisse des Tages, sondern auch die Laune und die Gefühle festhält. Eine kleine improvisierte Idee, um ihn zum unbeliebten Schreiben zu animieren, entpuppt sich als wahrer Trainings-Booster für den kleinen Schreibmuffel. Homeschooling für Dummies – check!

Die Mini macht seit Wochen endlich mal wieder einen ausgedehnten Mittagsschlaf und ich kann ganz in Ruhe und ungestört das neue Beet im Garten anlegen. Und merke mal wieder, wie sehr ich das Buddeln in der Erde liebe. Wie gut es tut, sich meditativ einer handwerklichen Arbeit voll und ganz zu widmen, erst recht an der frischen Luft. Self Care Gedöns und gleichzeitig gut was wegarbeiten – check!

Am Nachmittag radeln wir ein wenig durch die Hood und entdecken dabei bemalte Steine, die wir bereits aus dem letzten Sommerurlaub kennen. Die Kurzen erfreuen sich an jedem Fund, fotografieren sie brav und verstecken sie für die nächsten Kinder an neuen Orten. Die Entdeckerlust ist geweckt, nun werden auch noch die bisher von den Kindern unbemerkten Regenbögen in den Fenstern ins Visier genommen und fleißig gezählt. Wie sehr ein Kind sich über jeden weiteren gefundenen Regenbogen freuen kann – so so süß. Bewegung an der frischen Luft mit pädagogischem Charakter – check!

Zuhause angekommen muss ich dran glauben und nun Regenbögen in unsere eigenen Fenster malen. Unbedingt in jedes Kinderzimmer einen, „damit alle Kinder, die draußen vorbeikommen auch sehen, dass hier drei Kinder wohnen, Mami“. Dieser Tag kann mit nichts anderem als einer einträchtigen Kinderparty vor dem Einschlafen besiegelt werden. Und endet für Midi und Maxi in enger Umarmung schlummernd im neuen Hochbett. Liebe satt – Check!

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Dienstag, 31. März

Der Gang der Natur nimmt seinen Lauf: Laune und geschwisterliche Kooperationsbereitschaft schwinden rapide. Ich versuche zu retten, was zu retten ist und starte eine DIY-Aktion. Wir machen Salzteig, stechen Hasen, Eier und Schmetterlinge aus und malen sie nach dem Backen bunt an. Die Osterdeko steht, jetzt muss ich nur noch an einem meiner freien Abende die Lust finden, alles aufzufädeln, damit das Haus damit geschmückt werden kann.

Die Aktion lenkt die Midi gut ab, der Maxi ist jedoch wie so oft untröstlich, dass er nicht einfach alleine rausgehen und seine Freunde zum Spielen treffen kann. Oma und Opa vermisst er auch noch und fragt wiederholt wann diese doofe Corona-Krise endlich vorbei sei. Ich tröste, erkenne Gefühle an, versuche Mut zu machen. Aber finden mag der Maxi ihn heute nicht so recht. Am Abend darf er mit Papa eine Radtour machen, nur die beiden alleine. Um den Kopf freizukriegen und die schlechten Gefühle in Bewegung umzuwandeln.

Danach wünscht er sich noch eine Kissenschlacht im Familienbett und die tut uns allen so richtig gut. Die Anspannung und Verunsicherung einfach mal rausspielen, rauslachen,  rauskuscheln. Einfach nur zusammen sein und die Welt da draußen lassen.

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Mittwoch, 1. April

Nach dem Frühstück versinken die Großen im Garten hingebungsvoll in ihr Lieblings-Fantasie-Spiel, ich kümmere mich viel um die unruhige Mini. Sie mag nur auf den Arm, es wird im Laufe des Tages nicht besser. Ich bin heute emotional gut aufgestellt und fühle mich dieser fordernden Situation gewachsen, das kommt mit meiner Hochsensibilität nur selten vor. Ich fühle mich stark und kann heute besonders gut begleiten und ein Fels in der Brandung sein. Ich mag mich sehr in dieser Rolle.

Trotz Mecker-Mini oder gerade deswegen durchsuche ich meinen Ideen-Fundus für schöne Bastel- und Backprojekte und wir setzen spontan einen Favoriten von mir um: Leopardenkekse. Ich finde sie sehen toll aus und animiere die Kinder, auch mal gemeinsam welche zu backen. Die Zubereitung macht den Kindern großen Spaß, sie sind richtige kleine Bäcker geworden in der letzten Zeit.

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Am Nachmittag fahren wir in den Wald, die Kurzen lassen ihrer Fantasie wieder freien Lauf. Sie erschaffen ganze Welten, schneidern sich Rollen auf den Leib, streiten über Kleinigkeiten, sind mit aller Leidenschaft dabei. Ich bin in diesen Momenten sehr stolz auf ihre große Einbildungskraft, sie wird ihnen in ihrem weiteren Leben noch gute Dienste leisten und ein verlässlicher innerer Kompass für sie sein. Ich weiß nicht, auf welche Herausforderungen meine Kinder im Laufe ihres Lebens treffen werden, aber ich bin sicher, dass sie mit ihrer Kreativität und ihrem Vorstellungsvermögen  Lösungswege finden werden, die weniger phantasiebegabte Menschen nicht sehen können.

Als ich ihnen erzähle, dass heute der erste April ist, können sie gar nicht mehr aufhören, sich gegenseitig zu veräppeln – und lachen sich auf Süßeste kringelig dabei.

Am Abend drehen Maxi und Mini noch eine Radrunde mit Papa, während die Midi Kinder-Yoga macht. Ich freue mich, sie mit meiner Liebe zum Yoga ein wenig angesteckt zu haben. Wenn sie sich verbeugt und dabei Namasté sagt, könnte ich schreien vor Süßigkeit.

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Donnerstag, 2. April

Die Mini ist krank. Sie fiebert hoch, ist sehr müde und erschöpft. Ich trage sie wahlweise durch den Tag oder lasse sie auf mir schlafen. Die Großen langweilen sich, sind uninspiriert, das Timing ist mal wieder ironisch gut. Fernseher und Apps retten mir heute den Hintern, ich kann nicht bespassen wenn das kranke Baby auf mir liegt. Sie hat heute Priorität und die Kinder freuen sich sehr über Lieblingsserien in Hülle und Fülle.

Der Mann kommt am Nachmittag früher nach Hause und übernimmt die Mini, so dass ich ein wenig Luft holen kann. Ich mache mit dem Maxi eine große Radrunde, er wünscht sich zu seinem alten Kindergarten zu fahren und schaut sich das große Außengelände und die Gruppenräume in aller Ruhe an. Ich bewundere diesen kleinen starken Jungen manchmal so sehr. Die Kindergartenzeit war oft nicht einfach für ihn, aber wie es seinem versöhnlichen Wesen entspricht, findet er milde Worte für die vergangene Zeit und sagt mir, es sei schön, mal wieder hier zu sein.

Am Abend spiele ich mit der Midi Uno, sie gewinnt eine Runde nach der anderen. Es ist immer wieder ein Fest mit diesem kleinen fröhlichen Schlitzohr. Dann probieren wir noch die neue Google 3D-Funktion aus und es endet in einem Streit darum, wer denn nun das Handy haben und sich ein Tier aussuchen kann. Hilfe! Warum habe ich das nur angestoßen???

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Freitag, 3. April

Da das hohe Fieber von Mini nicht gesunken ist, bleibt der Mann heute zuhause und fährt mit ihr zum Arzt. Die Großen verwandeln in der Zwischenzeit den Stellplatz vor dem Haus in eine Goldmine und sind völlig in ihr Spiel versunken. Ich nutze die Zeit, um unseren dekadent anmutenden Apfelvorrat zu minimieren (andere hamstern Nudeln und Klopapier, mein Mann hamstert Äpfel) und backe unseren liebsten Apfelkuchen nach einem Rezept meiner Mutter.

Das nehme ich zum Anlass, ein Videotelefonat mit ihr zu führen, endlich mal ganz in Ruhe. Sie ist noch unter sechzig, gehört aber durch diverse Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe und lebt seit Wochen in freiwilliger Quarantäne. Ich versuche, mir nicht allzu viele Sorgen um sie zu machen, wir quatschen über dies und das und sie erklärt mir nochmal geduldig das Rezept. Alle Erklärungen nützen nix, da wir kein Backpulver mehr haben. Der Kuchen misslingt, er erinnert entfernt an Apfelpfannkuchen, aber wir essen ihn trotzdem tapfer.

Den Rest des kühlen Tages verbringen Vater und Baby schlafend und dösend auf dem Sofa, die Kinder dürfen einen Film schauen und ich nutze die freie Zeit, um die ersten vorgezogenen Blumen auszupflanzen. Ich bin wirklich neugierig ob mein neuestes Projekt sich so entfaltet, wie erhofft. Ich habe viel Zeit, Recherche und Liebe investiert und würde mich freuen wie ein Schnitzel wenn das echt klappt.

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Samstag, 4. April

Der Maxi und ich fahren mit dem Rad einkaufen während Papa und die Mädchen den Tag mit einem Spaziergang starten. Beladen mit Zeitschriften, Bastelpapier und einem neuen Hefter für das Corona-Tagebuch, treffen wir auf dem Rückweg zufällig auf den Rest der Familie und gehen zusammen nach Hause. Papa dreht noch eine Extrarunde mit der Mini, wir anderen daddeln derweil so vor uns hin.

Am Nachmittag geht es in den Wald, endlich wieder Bäume sehen. Es gelingt leider nicht, die allgemein schlechte Stimmung zu heben, tut aber trotzdem gut.

Zum Abendessen gibt es heute wie schon zum Mittagessen selbstgemachte Pizza.

Pizza macht uns alle glücklich, die muss es für heute reißen.

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Sonntag, 5. April

Mit der Hoffnung, nach dem gestrigen Klogriff ein wenig gute Laune hinter dem Ofen hervorzulocken, backe ich gleich nach dem Frühstück Rhabarber-Streuselkuchen für die ganze Bande. Das traumhaft schöne Wetter lockt uns schon am Vormittag in den Garten. Heute drehen die Jungs einen neuen Lego-Film, die neueste Leidenschaft des Maxi. Wir Frauen hängen miteinander ab und genießen die Sonne. Viel passiert heute nicht und das ist schön.

Dann widmet sich Papa nur der Midi und sie basteln spontan ein total schönes kleines Papierhäuschen.

Am Nachmittag drehen wir alle gemeinsam eine Runde mit dem Rad, danach grillen wir uns ein Abendessen, die Kinder machen eine Fotosafari durch das Haus und wir lassen den Tag gemütlich und ruhig ausklingen.

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