Kolumne ° „Expect problems and eat them for breakfast“ oder Abenteuer drittes Kind

 

Abenteuer drittes Kind

 

Lange ist es her, dass eine Kolumne ihren Weg auf den Blog gefunden hat. Grund dafür ist meine Schwangerschaft mit dem fünften Gangmitglied, das schon bald zu uns stoßen wird. Keine meiner bisherigen Schwangerschaften hat meine Vorlieben, Abneigungen und Gefühle so sehr über den Haufen geworfen wie diese.  Aber von vorne.

Unser Mädchen hat mir ein wunderbares Geschenk gemacht: einen unverstellten Blick auf die Dinge, auf die es wirklich ankommt. Was nach einer Menge Irrungen und Wirrungen aus meinem bisherigen Leben übrig ist, ist eine klare Vision davon, was ich will und was nicht.

 

Es liegt mir sehr am Herzen, nach meinen Werten zu leben.

Meinem Mann geht es mittlerweile genauso und der glückliche Umstand, dass wir die gleichen Werte teilen, hat es uns leicht gemacht, uns ein klein wenig ängstlich, aber vor allem sehr glückstrunken für ein drittes Kind zu entscheiden. Das Herz war bei uns beiden sowas von an Bord, da hatte der Kopf mit seinen ohnehin schon mickrigen Einwänden von mehr Ausgaben, weniger Zeit und Blablabla erst gar keine Chance.

Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben gerade mal 8% der deutschen Familien 3 Kinder. Nicht besonders ermutigend, zumindest wenn man auf solche Zahlen und Vergleiche mit Anderen Wert legt. Mutig haben wir uns gefühlt, geradezu waghalsig, so richtig crazy. Vor allem aber fühlte es sich aus tiefstem Herzen richtig für uns an.

Denn entscheidend für uns ist, was wir wollen. Und das ist nun mal ein weiteres Kind. Wir haben einen großen Jungen, wir haben ein kleines Mädchen, fehlt nur noch der Golden Retriever und wir könnten die perfekte deutsche Familie im eigenen Werbespot sein. So weit die gesellschaftliche und mediale Fantasie – mit unseren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen hat sie jedoch nichts zu tun. Sehen wir es mal realistisch: wir können es niemals allen Menschen recht machen. Was uns Sicherheit gibt, ist unsere Werte genau zu kennen und danach zu leben. Es wird nicht immer leicht, ein Modell zu leben, für das sich nur jede neunte Familie entscheidet, aber wir vergleichen uns nicht. Wir gönnen jedem anderen Menschen sein eigenes Leben, nehmen es aber nie als Maßstab für unser eigenes. Wie entspannend diese neue Gelassenheit sein kann, davon kann ein Wellness-Tag im Day Spa ein Lied singen.

Kommt doch einmal Angst oder Unsicherheit darüber auf, wie wir es schaffen sollen, neben den beiden Wirbelwinden auch noch ein Baby zu handlen, besinnen wir uns auf unser Mantra:

Wir können unser Bestes geben, mehr nicht

Wir sind die besten Eltern, die wir für unsere Kinder sein können – einfach weil wir ihre Eltern sind. Wir geben uns selbst den Raum, Fehler zu machen und auch mal komplett zu scheitern, das nimmt viel Druck und Angst. Was wir seit bald acht Jahren als Eltern gelernt haben: mentale Stärke und realistische Erwartungen bringen etwas sehr Wertvolles mit sich, nämlich Mitgefühl für sich selbst. Und das brauchen wir alle dringend, um Liebe geben zu können. Wenn ich mir selbst eine gute Mutter sein kann, bin ich meinen Kindern eine umso bessere.

 

Wir bestimmen selbst, was wir denken, was wir fühlen und wie wir reagieren

Die Verantwortung für die eigenen Gefühle in die eigene Hand zu nehmen hat etwas sehr Befreiendes, Fremdbestimmung fühlt sich für keinen von uns gut an. Nicht die Kinder sind anstrengend oder verantwortlich dafür, dass es für uns anstrengend ist. Die Umstände, Kinder zu haben und unsere eigene Interpretation davon führen zum Gefühl von Anstrengung.

Ich weiß, das hört sich jetzt sehr weit weg an von den Situationen, in denen ein Kind vor Wut unbändig brüllt, während das andere weint, weil ihm das alles zu laut ist und man selber nicht nur nicht weiß, welches Feuer man zuerst löschen soll, sondern am liebsten ebenfalls schreiend und weinend aus dem Haus rennen möchte. Eltern kennen das.

Situationen, in denen Kinder oder andere Menschen schlechte Gefühle in uns hervorrufen, kennen wir alle sicherlich zu genüge. Es ist aber weder die Schuld der anderen, wie wir uns fühlen, noch sind sie Schuld daran, was in unserem Leben passiert. Dafür sind wir ganz allein verantwortlich. Was wir sagen oder wie wir uns verhalten, hat nur mit uns selbst zu tun und nichts mit dem Anderen. Es hat zu tun mit unserer eigenen Geschichte, unserer Sicht auf die Welt, unseren eigenen Wunden. Das wollen wir uns immer wieder auf’s Neue vor Augen halten. Unsere Gefühle gehören ganz allein uns und nur wir sind in der Lage, gut mit ihnen umzugehen.

 

Unser Motto: „Expect problems and eat them for breakfast“.

Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel Gelassenheit und innere Stärke verspürt, noch nie so genau gewusst, was ich will. Das sich das ausgerechnet während der Schwangerschaft mit unserem dritten Kind so entwickelt, schreibe ich dem kleinen Wesen unter meinem Herzen zu. Spätestens mit ihrer Geburt und unserem Eintritt in die Welt der raren Spezies Mehrkindfamilie ist nix mehr mit Komfortzone. Aber der Mann und ich haben sehr große Lust auf diese Herausforderung – challenge accepted.

In ein paar Monaten trefft ihr mich dann heulend auf dem Badezimmerboden wieder. Ich werde verdammt müde sein und nicht aufhören können, mich zu fragen, warum ich DAS gewollt habe. So wie schon die letzten beiden Male, nachdem ich ein Kind bekommen habe. Zum Ende des Tages trefft ihr mich, wie ich am Abend meine Runde drehe und allen dreien dabei zuschaue, wie sie eng umschlungen glücklich vor sich hin schnarchen. Ich werde mich setzen müssen im Angesicht der riesigen Welle an flauschiger Liebe, die mich überrollen wird und denken: so habe ich es mir immer vorgestellt. So wie die letzten beiden Male.

 

Skandinavischer DIY-, Deko- und Wohn-Blog

Entscheidung für ein drittes Kind

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Dazu kann ich dir nur Glück wünschen und euch als Familie Gottes Segen zusprechen… Von den % Familien, die ein drittes oder gar ein viertes Kind haben, scheinen die meisten in unserer christlichen Gemeinde zu Hause zu sein ;D Ich sehe das nicht mehr als Ausnahme an, scheint der Gedanke, Wunsch und die Durchführung doch langsam wieder normal zu werden. Auch in der Kita, in der ich arbeite gibt es viele Familien mit drei und mehr Kindern. Alles Gute dir. Manuela

    1. Liebe Manuela,

      danke dir für deinen Kommentar und die Glückwünsche!

      Ehrlich gesagt leben wir auch in einer sehr kinderreichen Community, in der die bundesweit geltenden Prozentzahlen nicht gelten und sind sehr froh darum. Unser Wohngebiet ist sehr neu und sehr kinderreich, fast alle Freunde unseres Schul- und Kindergartenkindes haben mindestens zwei weitere Geschwister, nicht wenige sind auch zu viert. Wir sind also gut aufgehoben ;-)

      Wo viele Kinder sind, ist einfach so viel Leben, oder?

      Ganz liebe Grüße,
      Barbara

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