„Don’t be eye candy, be soul food“ – Meine Gedanken zu Body Positivity und darüber hinaus

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Wisst ihr was? Ich mag mich. Sogar sehr. Und ich meine jetzt, in diesem Augenblick. Nicht wenn ich 5 Kilo abgenommen, mich geschminkt oder fetzigere Klamotten an habe. Sondern ich mag mich ganz genau so wie ich bin, unplugged sozusagen.

Das war nicht immer so, denn wie wir alle bin auch ich in einer Welt aufgewachsen, in der Medien, Gesellschaft und die Menschen um mich herum mir suggeriert haben, ich könnte nur schön WERDEN wenn ich bestimmte Voraussetzungen erfülle. Diese Voraussetzungen waren zur Zeit meiner Jugend in etwa die gleichen wie heute, nur ist es heute noch krasser geworden, habe ich den Eindruck. Und ich habe das geglaubt. Von klein auf habe ich als Mädchen verinnerlicht, dass es mein größter Erfolg im Leben ist, wenn ich schlank und hübsch zurechtgemacht bin. Dann – und nur dann – würde ich als Frau und als Mensch einen Wert haben. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin in den 90ern mit Fotos und Fernsehbildern von operierten Brüsten, aufgemotzten „Babes“ und dem Satz „Wenn du weiter so viel isst, wirst du nie einen Freund finden!“ aufgewachsen. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich nie das Gefühl, ich wäre okay oder sogar schön, so wie ich war. Ich war nämlich schon als Kind und auch als Jugendliche gut im Futter und das schloss mich kategorisch aus dem Zirkel der „normalen“ Mädchen aus.

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Ich würde meine Kindheit als okay bezeichnen und meine Jugend eigentlich auch. Aber das verdanke ich nur dem Umstand,  dass ich mir mit der Zeit eine gute Maske von Selbstbewusstsein zulegte, die mir alle abnahmen. Nur ich mir selber nicht. Denn obwohl ich nach außen so tat, als wäre ich total lässig und würde über meiner Moppeligkeit stehen, tat ich das nicht. Im Inneren war ich zutiefst verunsichert. Verunsichert durch alle diese idealisierten Körpervorbilder, die ich nicht erreichen konnte. Wie jeder Mensch wollte ich einfach nur geliebt werden, so wie ich bin.

Irgendwann Anfang Zwanzig traf ich den HAMMAmann. Und ich war so blöd! Obwohl er total verknallt in mich war und mich so liebte wie ich war, konnte ich das nicht ganz glauben. Nach ein paar Monaten fing ich eine strikte Diät an und machte 7 Tage die Woche 1-2 Stunden Sport, weil ich Angst hatte, den Mann wieder zu verlieren. Weil die Hirnwäsche, der wir uns Frauen mit den ganzen doofen Frauenzeitschriften und -sendungen unterziehen, tiefer in mir verankert war, als der gesunde Menschenverstand und die Worte des Mannes, der mich aufrichtig liebte.

Mittlerweile sind 15 Jahre ins Land gegangen und ich habe eine Menge über das Leben und über mich gelernt. Ich brauchte noch eine ganze Weile, um die Hirnwäsche zu durchblicken und die angeblich einzig gültigen Schönheitsideale zu hinterfragen. Langsam, aber sicher, habe ich meinen eigenen Begriff von Schönheit entwickelt und erkannt, dass das für jeden Menschen richtig und wichtig ist. Unsere Welt setzt sich für jeden Einzelnen von uns aus all dem zusammen, was wir sehen, denken, fühlen. So ist jeder Mensch und sein Blick auf die Welt ganz einzigartig und so sollte es auch sein, finde ich. Wir sind doch keine hirntoten Roboter, die alle gleich aussehen, gleich denken und die gleichen Dinge und Menschen schön oder hässlich finden sollten. Wir sind MENSCHEN. Jeder für sich ganz einzigartig und auf seine eigene Weise schön. Innerlich sowie äusserlich.

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Meine neue Rolle als Mutter hatte viel Einfluss auf mein „Erwachen“, wie ich es gerne nenne. Die große Leistung, die mein Körper während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit erbracht hat, haben eine innere Stärke und insgesamt eine völlig neue Wahrnehmung meines Körper sowie meiner Selbst zu Tage gefördert. Nach und nach fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Körper, mein Gesicht und meine Persönlichkeit sind Ausdruck dessen, was ich erlebt und geleistet habe. Ich bin stolz darauf und ich finde mein Leben schön, deswegen finde ich auch mich schön. Auch wenn ich viele Fehler im Leben gemacht habe, oftmals falsch abgebogen bin auf dem Weg und mich manchmal sogar völlig verirrt habe, sind alle Erfahrungen und Erlebnisse, die guten als auch die schlechten, ICH. Ich wäre heute ein anderer Mensch ohne sie. Und das möchte ich nicht sein.

Bleibt wie ihr seid, denn genauso wie ihr seid, seid ihr gemeint.

(Das habe ich von Sarah Connor abgekupfert. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich ausgerechnet sie mal zitieren würde.)

Eure Barbara

Nachtrag vom 8. April 2017: Wenn ihr Interesse an weiteren Beiträgen zum Thema Selbstliebe habt oder sogar selber zu diesem Thema schreiben möchtet, schaut unbedingt bei Berenice vorbei. Sie hat die Blogparade #mehrmutzumich gestartet und bündelt unser aller Empowerment in ihrem Blog.


3 Gedanken zu “„Don’t be eye candy, be soul food“ – Meine Gedanken zu Body Positivity und darüber hinaus

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